Geschichte der Mainzer Slavistik

Die Geschichte der Mainzer Slavistik beginnt mit der Wiedereröffnung der Johannes Gutenberg-Universität im Mai 1946. Ihre ersten Jahre sind durch eine enge personelle und organisatorische Verflechtung mit dem heutigen Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte gekennzeichnet. Die Struktur der Seminarbibliothek, die geschichtswissenschaftliche und philologische Bestände in sich vereint, spiegelt diese Entstehungsgeschichte noch heute wider.

Zunächst waren die osteuropäischen Studien lediglich durch einen Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte vertreten, der 1952 mit der Berufung von Margarethe Woltner in einen Lehrstuhl für Slavische Philologie umgewandelt wurde. Frau Prof. Woltner war damit auch Direktorin des bereits 1950 gegründeten Instituts für Osteuropakunde, ihr folgte 1955 der Hamburger Slavist Friedrich Wilhelm Neumann. Dem Wunsch der Fakultät nach Komplettierung und Koordinierung der osteuropäischen Studien wurde 1955 mit der Aufgliederung des Instituts für Osteuropakunde in die beiden Abteilungen Slavistik und Osteuropäische Geschichte entsprochen; ein zweiter Lehrstuhl wurde 1957 mit Gotthold Rhode besetzt.

In den folgenden Jahren erfolgte ein planmäßiger Ausbau des Instituts in beiden Fachrichtungen. In der Slavistik lagen die Schwerpunkte in der Lehre auf der Sprach- und Literaturgeschichte, der allgemeinen Kulturentwicklung, der Volks- und Gegenwartskunde. Dabei standen die Ostslavistik mit Russisch und die Westslavistik mit Polnisch im Vordergrund. Das Lektorat für Russisch besteht seit der Wiederbegründung der Universität, es folgten Lektorate für das Serbokroatische (seit dem Wintersemester 1956/57) und das Polnische (seit 1962) und Lehraufträge für die tschechische Sprache (seit 1959).

Das Studium konnte zunächst nur mit der Promotion, später auch mit der Magisterprüfung in den Fächern Ostslavische, Westslavische und Südslavische Philologie und der Staatsprüfung für das Höhere Lehramt abgeschlossen werden.

1968 wurde Professor Heinz Wissemann auf das Ordinariat für Slavistik berufen. Er baute durch Gastdozenturen die Auslandsbeziehungen des Instituts, vor allem zum ehemaligen Jugoslawien, aus. Ihm folgte 1975 Eberhard Reißner. Seit dem Sommersemester 1973 wurden die beiden ehemaligen Abteilungen des Instituts für Osteuropakunde zu selbständigen Instituten. Die steigenden Studentenzahlen führten zu einer Erweiterung des Instituts für Slavistik: Gegenwärtig gibt es drei Professuren, besetzt durch Prof. Alfred Gall (Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft, besonders Polonistik, Bohemistik), Prof. Björn Wiemer (Slavische Sprachwissenschaft) und Prof. Frank Göbler (Slavische Literaturwissenschaft, besonders Russistik, Serbistik/Kroatistik).

Seit dem Sommersemester 1983 ist dem Institut für Slavistik das sogenannte MAINZER POLONICUM (früher MAINZER MODELL) angegliedert, das von Prof. Alfred Gall geleitet wird. Es geht auf eine Initiative des Soziologen Prof. Dr. Wilfried Schlau aus dem Jahre 1979 zurück, in deren Folge an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein Modellversuch unter dem Titel „Einführung, Erprobung und Überprüfung studienbegleitender Jahreslehrgänge der Sprachen Ostmitteleuropas für Studierende aller Fachrichtungen in Mainz am Beispiel studienbegleitender Jahreslehrgänge der polnischen Sprache” - genannt Mainzer Modell - eingerichtet wurde. Das Ziel war, Studierenden aller Fachbereiche das Erlernen einer Sprache des osteuropäischen Raums während des Fachstudiums zu ermöglichen. Nach einer dreijährigen Modellphase, finanziert aus Mitteln des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz, wurde aus dem Mainzer Modell eine am Institut für Slavistik angesiedelte Dauereinrichtung.